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Schutz der Natur und der Landschaft in Novohradské hory – Freiwald – grenzüberschreitende Petition

1. April 2026

Im Umfeld des „Windparks Sandl“ regt sich grenzüberschreitend Widerstand. Regionalentwicklung ohne Windpark ist möglich und nötig.

Gratzener Bergland

(Quelle: Oö. Umweltanwaltschaft)

Das Gratzener Bergland erstreckt sich entlang der Grenze zwischen Tschechien, Ober- und Niederösterreich. In Böhmen wird das Bergland als Novohradské hory bezeichnet, der österreichische, etwas höhere Teil heißt Freiwald und ist Teil der Region Nordwald (Silva nordica).

In dieser Region befindet sich der nach der Wende eingerichtete Naturpark Novohradské hory mit vielen Naturschönheiten wie Terčino údolí, Žofínský prales (Sophien-Urwald) oder Hojná Voda (Heilbrunn), und viel unberührter Natur. Nach der Grenzöffnung wurden die Wanderwege wieder markiert und die touristische Infrastruktur ausgebaut. In Böhmen laufen Planungen zur Einrichtung eines Landschaftsschutzgebiets – nach der Kategorie „Nationalpark“ ist in Tschechien das „Landschaftsschutzgebiet“ – anders als in Österreich - die zweithöchste Schutzkategorie. Es handelt sich also um ein besonderes Gebiet.

Im Umfeld des „Windparks Sandl“ mit seinen derzeit geplanten 19 Windkraftanlagen vom Typ Vestas V172 mit einer Nennleistung von je 7,2 MW regt sich nun grenzüberschreitend Widerstand. Einschließlich der Rotoren beträgt die Gesamthöhe der Windkraftanlagen 285 m – gut 20 m höher als die derzeit höchsten errichteten Windkraftanlagen im Burgenland (Region Gols/Mönchhof/Neusiedl am See), die „nur“ Gesamthöhen von 242 bis 244 Metern erreichen. Stünde ein Sandler Windrad auf dem Linzer Hauptplatz, so würde seine Spitze die Fassade der Pöstlingbergkirche überstreichen – so viel als Größeneinordnung.

„Wenn wir Temelin sehen müssen, dann sollen die Tschechen auch die Windräder an der Grenze sehen“ – eine mitunter in aufpoppende Sichtweise eines eifernden Klimaschutzes, der unsere tschechischen Nachbarn als simple Atomlobbyisten abstempelt. Geht es aber um Arbeitskräfte für oö Betriebe gleich jenseits der Grenze, um Arbeitskräfte oder Konsumenten in oder Gedenktage zum Fall des Eisernen Vorhangs, dann sind diese Tschechen auf einmal „unsere guten Nachbarn“. Soweit zur „gefühlten Berechtigung“ der Interessen anderer.

Es geht aber nicht nur um den – in der Diskussion um Erneuerbare Energieanlagen oft geschmähten und kleingeredeten – Landschaftsschutz und Schutz des Landschaftscharakters, sondern auch um das „Eingemachte“ beim Naturschutz:

  • Vogelschutz – insbesondere Waldvögel. Einzelne Windkraftanlagen befinden sich kaum mehr als 100m von der Staatsgrenze der Tschechischen Republik entfernt, in unmittelbarer Nähe zum EU-Vogelschutzgebiet Novohradské hory. Der oö. Teil des IBA Freiwald ist nach Beurteilung von Fachleuten ein „Faktisches Vogelschutzgebiet“ mit herausragenden Vorkommen von Haselhuhn, Sperlings- und Raufußkauz, Grauspecht, Dreizehenspecht, Waldschnepfe und sogar Auerhuhn sowie ein Brückenkopf für den Habichtskauz in Richtung Kalkalpen.
  • Der Schutz des Luchses -Ausgewiesene Kerngebiete (Core areas) sind kleinregional begrenzte Zonen für die Reproduktion des Luchses und stellen „Potenzielle FFH-Gebiete“ dar.
  •  Lebensraumschutz für Fledermäuse und ungestörte Rückzugsräume und Wanderzonen für Großsäuger.
  •  Schutz des Wassers – Ein Gutachten des Hydrobiologischen Instituts des Biologischen Zentrums der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik sieht mögliche Verschlechterung des ökologischen und hydro-morphologischen Zustands der Gewässer durch das Vorhaben.

Es braucht Windparks – aber nicht auf Kosten der Natur. Und es gibt Festlegungen, wo welche Form der Energienutzung sinnvoll und tragbar ist, und wo nicht. Solche Festlegungen gäbe es, sowohl auf der österreichischen Seite, fix aber auf der tschechischen Seite. Dazu braucht es Verbindlichkeit – für alle Seiten – und nicht Beliebigkeit – auch nicht beim Klimaschutz. Denn „Nichts ist fix, alles ist möglich“ ist bei sehr unterschiedlichen Interessenslagen meist ein Rezept für Desaster. Es gibt eben Regionen, in der bestimmte Nutzungen Vorfahrt haben – in Beschleunigungszonen werden das Energienutzungen sein, in Ausschlusszonen ergeben sich andere Optionen.

Auch für die Region „Silva nordica“ braucht es grenzüberschreitende Entwicklungsmöglichkeiten, regionale Wertschöpfung und nachhaltige Arbeitsplätze. Der Bruttoumsatz durch touristische Ausgaben in deutschen Biosphärenregionen beläuft sich auf etwa 2,94 Milliarden Euro pro Jahr. Davon verbleiben rund 1,97 Milliarden Euro als direkte und indirekte Wertschöpfung in den Regionen. Der Tourismus in diesen Gebieten sichert rechnerisch die Einkommen von über 86.200 Personen (Einkommensäquivalente).

Silva nordica – Novohradské hory eignet sich auch für einen Sternenpark, ein ausgewiesenes Gebiet mit außergewöhnlich dunklem Nachthimmel und minimaler Lichtverschmutzung. Die Designation als Sternenpark bringt eine Saisonverlängerung mit sich. Da die Nächte im Herbst und Winter länger und oft klarer sind, hilft Astro-Tourismus, die touristische Nebensaison zu beleben.

Die Rhön stellt eine vergleichbare Kombination zwischen Biosphärenregion im Dreiländereck Bayern, Hessen, Thüringen mit speziellen „Himmelsschauplätzen“ dar.

Die Rhön gilt aber auch als Vorreiter der Regionalvermarktung. Die Dachmarke „Rhön“ vernetzt hunderte Betriebe. Der Tourismus ist hier das wichtigste wirtschaftliche Standbein.

Nicht ein Käseglocken-Naturschutz, sondern eine nachhaltige, grenzüberschreitende Regionalentwicklung der Region „Silva nordica“ ist das Ziel. Der Reichtum der Region an Natur und Landschaft ist und bleibt dafür die Basis.

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