Kurz angemerkt
13. Oktober 2026
"Wenn man etwas nimmt, soll man etwas geben und nicht den Vorteil nehmen und die Kosten an die Allgemeinheit auslagern"

(Quelle: Oö. Umweltanwaltschaft)
"Frederick" - mit diesem Kinder-Bilderbuch von Leo Lionni aus dem Jahr 1967 sind wohl schon viele vertraut gemacht worden, im Kindergarten oder beim Vorlesen für Kinder. Der Inhalt ist schnell erzählt: Die Feldmaus Frederick lebt mit ihrer Familie in einer alten Steinmauer auf einem verlassenen Bauernhof. Alle sammeln Vorräte für den nahenden Winter, nur Frederick sitzt scheinbar untätig herum. Auf die Fragen seiner Familie, warum er nicht mithelfe, antwortet er, dass er für kalte, graue und lange Wintertage Sonnenstrahlen, Farben und Wörter sammle. Als der Winter kommt, leben die Feldmäuse von den gesammelten Vorräten. Der Winter ist jedoch lang, und die Vorräte gehen allmählich zur Neige. Jetzt wird Frederick nach seinen Vorräten gefragt – und er teilt mit seiner Familie die gesammelten Sonnenstrahlen, um sie zu wärmen, die Farben, um den Winter weniger grau und trist sein zu lassen.
Eine simple Botschaft – und wie so oft mit Botschaften aus der Kinderbuch-Lektüre – für alle Altersklassen zugänglich. Einige solche Farben und Sonnenstrahlen stellt auch der vorliegende Newsletter vor: Die fachliche Überarbeitung und Neuauflage der Wildtierkorridore für OÖ trägt neueren Entwicklungen und dem zeitlosen Thema der Lebensraumvernetzung Rechnung. Ein Dank an den Landesjagdverband, Raumordnung und Naturschutz für die Kooperation.
Ein praktisches Beispiel in diesem Zusammenhang ist die neu entstehende Grünbrücke über die A8 Innkreisautobahn im Bereich zwischen den Anschlussstellen Meggenhofen und Haag am Hausruck. Dieser „Sonnenstrahl“ wurde bereits 2011 gesammelt. Der Bedarf für Querungshilfen im Landesstraßennetz ist hoch. Eine fordernde, aber - im Sinn der Verschränkung zwischen grauer und grüner Infrastruktur – auch eine gute Herausforderung für die kommende Zeit. Denn es geht darum, wie wir unser Umfeld so (um)gestalten, dass alle darin Platz haben und das System a la longue nicht kippt.
Dass aber nicht alles Gold ist, was glänzt, zeigt der zur Stellungnahme aufliegende Entwurf der Novelle zum UVP-Gesetz. Unter dem Etikett einer „UVP-Prüfung“ wird ein lückenloses Verfahren suggeriert, das mit dieser Novelle so nicht mehr stattfindet. Und der Öffentlichkeit wird die ohnehin mühsame Teilnahme am Verfahren unter dem Titel „Anpassung“ zusätzlich erschwert. Die neue UVP-Pflicht für Rechenzentren ist – so wie vorgeschlagen - ein Feigenblatt, das bei Stromverbrauch und Abwärme am Ende nichts hergibt. Umweltschutz und Partizipation schauen anders aus! Schicken Sie Ihre Stellungnahme an das Parlament, wenn Ihnen Umweltschutz ein Anliegen ist. Der Link ist im Beitrag.
In den laufenden Diskussionen um Projekte mit Naturverbrauch und Naturzerstörung sollte die Botschaft des Kinderbuchs Frederik eigentlich verständlich sein und Konsequenzen logisch erscheinen lassen. Dem ist aber nicht so, wie nicht nur die geplante UVP-Gesetzesnovelle, sondern auch manche der laufenden Energieprojekte, der öffentliche Diskurs bei einem Rechenzentrum und einer Altreifendeponie oder auch eine Vielzahl von Kleinverfahren zeigen. Hier fehlen die Farben und Sonnenstrahlen, wenn etwas fast reflexartig „gerade noch möglich“ ist oder der Rechtsrahmen dies oder jenes nicht hergeben soll. Es ist zu wenig, wenn man „die Leute versteht“, aber nur anhören und nichts machen kann/will. Die Abwägung der Interessen hat da eine Schieflage auf Kosten von Umwelt, Natur und Lebensqualität. Letztlich eine Schieflage auf Kosten von uns allen.
Es ist zu wenig, wenn man im kommenden Jahr Wahlkampfplakate „unseres schönen Oberösterreichs“ sieht, aber wenn die Leute, die sich konkrete Sorgen um ihre Lebensqualität machen, ignoriert werden. Nicht von Brot allein lebt der Mensch – das sagt uns auch das Kinderbuch Frederik. Das sagen uns besorgte Bürgerinnen und Bürger in Weibern, in Sandl, in Königswiesen, in Ohlsdorf, in Kronstorf, auf der Wurzeralm, auf den Hutterer Böden, auf dem Froschberg, und vielen anderen Gegenden unseres Landes. Es ist nicht gut, diese Anliegen zu ignorieren, kleinzureden oder mitunter auch lächerlich zu machen oder immer woanders hinzudeuten, wo man dafür zuständig sei. Und das UVP-Verfahren – schon gar nicht mit den geplanten Änderungen – ist da eine unzureichende Patentantwort und kein Reparaturmechanismus für verfehlte Weichenstellungen. Die UVP ist ein Bewilligungsverfahren, nicht mehr und nicht weniger.
Das Prinzip der Farben und Sonnenstrahlen im Umweltverfahren ist simpel: Wenn man etwas nimmt, soll man etwas geben und nicht den Vorteil nehmen und die Kosten an die Allgemeinheit auslagern. Ein unabhängig agierender Ökofonds wäre eine ganz praktische Option. Und der Rechtsrahmen gibt diese Lösung bereits jetzt her. Es liegt am Wollen.
Martin Donat
Oö. Umweltanwalt